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Wertmanagement

Unternehmensspezifische Frühindikatoren und operative Werttreiber

Unsere wertorientierte Steuerung basiert auf einem System von Konjunkturindikatoren und operativen Werttreibern. Da wir große und flächendeckende Verkehrsnetzwerke im Personen- und Güterverkehr betreiben, wird unser wirtschaftlicher Erfolg in besonderem Maße durch das allgemeine konjunkturelle Umfeld und die spezifische Entwicklung auf den verschiedenen Verkehrsmärkten beeinflusst.

In den Geschäftsfeldern des Personenverkehrs ist die Nachfrage nach Mobilität vor allem von der Bevölkerungszahl, der Zahl der Erwerbstätigen sowie dem real verfügbaren Einkommen abhängig. Die relative Wettbewerbssituation zur Straße wird durch die Entwicklung der Kraftstoffpreise maßgeblich beeinflusst, da die »Out-of-Pocket«-Kosten des Pkw eine wichtige Einflussgröße für die individuelle Verkehrsmittelwahl darstellen.

In unseren Geschäftsfeldern DB Bahn Regio und DB Arriva kommt auch die finanzielle Ausstattung der bestellenden Gebietskörperschaften als Einflussgröße hinzu. Sowohl im Schienen- als auch im Busverkehr wird die Versorgung der Bevölkerung mit Nahverkehrsleistungen über längerfristige Verkehrsverträge sichergestellt, die zwischen öffentlichen Aufgabenträgern und Verkehrsunternehmen geschlossen werden. Sparmaßnahmen in den öffentlichen Haushalten können Marktvolumen und Vergütungsniveaus für die Eisenbahnverkehrsunternehmen (EVU) beeinträchtigen. Andererseits ergeben sich im europäischen Kontext auch Chancen, da Erfahrungen in liberalisierten Märkten gezeigt haben, dass nicht nur Kunden, sondern auch Steuerzahler von einer zunehmenden Öffnung der Märkte profitieren. Diese zusätzlichen Marktchancen wollen wir insbesondere mit unserem Geschäftsfeld DB Arriva aktiv nutzen.

In den Geschäftsfeldern des Bereichs Transport und Logistik hängen wir in besonderem Maße von der konjunkturellen Entwicklung der Wirtschaft ab. Aufgrund der weltweiten Aufstellung unserer Verkehrsnetzwerke beobachten wir neben der Entwicklung des Welt-BIP und des Welthandels vor allem das Wirtschaftswachstum in jenen Regionen, Ländern und Handelsrelationen, wo wir über hohe Marktanteile verfügen beziehungsweise wo mit hohen Wachstumsraten im Warenaustausch zu rechnen ist. Darauf richten wir unsere Marktaktivitäten aus. Marktübliche Frühwarnindikatoren zu Geschäftsklima und Erwartungen von Einkaufsmanagern sind fester Bestandteil unseres Monitoringsystems.

Das spezifische Marktumfeld von DB Schenker Rail wird dabei in besonderem Maße durch die Produktion des verarbeitenden Gewerbes und die Entwicklung der Schlüsselin­dustrien Montan (Rohstahlproduktion), Chemie, Automotive und Maschinenbau beeinflusst. Im grenzüberschreitenden Verkehr sind die Export- und Importtätigkeit der einzelnen Länder und der Warenverkehr innerhalb Europas von besonderer Bedeutung.

Unser Geschäftsfeld DB Schenker Logistics ist ganz über­wiegend im »Business-to-Business«-Geschäft tätig; das von Privatkunden dominierte Marktsegment Kurier- und Express­geschäft spielt eine eher untergeordnete Rolle. Die Kundenbasis ist im Gegensatz zu DB Schenker Rail breit gestreut und deckt überwiegend folgende Industrien ab: Automotive, Chemie, Industrie- und Kaufmannsgüter, Hightech/Elektronik, Konsumgüter, Gesundheitswesen. In Marktbearbeitung und Produktentwicklung legen wir besonderes Augenmerk auf industriespezifische Lösungskompetenz für umfassende Logistikdienstleistungen und verkehrsträgerübergreifende Produktbilder. Damit stärken wir auch Synergien zwischen unseren Netzwerken im Interesse unserer Geschäftskunden.

Das Geschäftsfeld DB Dienstleistungen deckt mit seinen Leistungen wichtige Bestandteile der Wertschöpfungskette von EVU ab, die in Deutschland Personen- und Güterverkehrsleistungen auf der Schiene erbringen. Insoweit ist die Nachfrageentwicklung in diesen Geschäftsfeldern eine weitgehend abgeleitete Größe aus den vorgelagerten Verkehrsmärkten im Personen- und Güterverkehr, auf die bereits ausführlich eingegangen wurde.

Die Entwicklung der aufgeführten Konjunktur- und Frühwarnindikatoren beeinflusst die Steuerung unserer Marktaktivitäten und unseren Ressourceneinsatz. Chancen und Risiken werden dadurch frühzeitig erkannt, sodass kurzfristige Steuerungsaktivitäten und langfristige Positionierungen darauf ausgerichtet werden können. Daneben arbeiten wir systematisch an der Optimierung unserer operativen Werttreiber.

Das Betreiben von Verkehrsnetzwerken zeichnet sich in der Regel durch hohe Kapitalbindung, lange Investitionszyklen und ausgeprägte Fixkostenstrukturen aus. Insoweit sind die optimale Auslastung unserer Verkehrsnetzwerke, das systematische Entwickeln und das Integrieren und ressourceneffiziente und kostenoptimale Betreiben dieser Netzwerke von heraus­ragender Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung des DB ML-Konzerns. Steigende Volumina in unseren Netzwerken führen nicht nur zu Skaleneffekten in der Kostenposition, sondern verbessern in der Regel auch die Servicequalität für den Kunden durch steigende Frequenzen und kürzere Reise- und Transportzeiten. Die führenden Marktpositionen, über die wir in den relevanten Verkehrsmärkten verfügen, sind ein wesentlicher Erfolgsfaktor für Kundenzufriedenheit und Profitabilität und sollen daher gehalten beziehungsweise weiter verbessert und ausgebaut werden.

Die marktbezogene Auslastung unserer Netzwerke und die relativen Marktanteile in den Verkehrsmärkten messen wir in der Regel anhand von operativen Leistungsdaten. Zur Ermittlung einer relativen Erlösergiebigkeit werden diese Leistungsdaten auch ins Verhältnis zu den erwirtschafteten Umsätzen gesetzt (spezifische Erlössätze).

In den Geschäftsfeldern des Personenverkehrs ist die führende marktbezogene Leistungskennzahl die in Personenkilometern gemessene Verkehrsleistung. Dies gilt insbesondere für den eigenwirtschaftlich betriebenen Fernverkehr. Die relative Auslastung der Fahrzeuge wird hier zusätzlich durch die Kennzahlen Personen pro Zug sowie prozentuale Sitzplatzauslastung gemessen. Die Kostenseite korreliert weitestgehend mit der in Zug- beziehungsweise Trassenkilometern gemessenen Betriebsleistung, die wiederum von dem auf Jahressicht weitgehend stabilen Fahrplanangebot abhängt. Auf diesen Jahresfahrplan werden Ressourceneinsätze von Personal und Anlagen ausgerichtet, um die Stückkosten je gefahrenen Zugkilometer zu optimieren.

Das Geschäftsmodell bei DB Bahn Regio und DB Arriva ist im Prinzip vergleichbar mit DB Bahn Fernverkehr. Allerdings spielt die in Zug- beziehungsweise Buskilometern gemessene Betriebsleistung eine größere Rolle, weil die zugrunde liegenden Verkehrsverträge in der Regel auf diese Leistungsgröße referenzieren. Hinzu kommt, dass es Vertragsgestaltungen mit Aufgabenträgern gibt, wo der Markterfolg aus Fahrgelderlösen direkt dem Besteller zugutekommt und das Verkehrsunternehmen für das gesamte Leistungsangebot direkt und vollständig vom Aufgabenträger entschädigt wird (Bruttoverträge). Marktbezogene Leistungsdaten und Auslastungskennziffern treten bei solchen Vertragsmodellen in den Hintergrund, auch wenn Markterfolge im Fahrgastmarkt natürlich mittelbar für die Effizienz des Gesamtverkehrsmarkts relevant sind. Aufgrund der mehrjährigen Verkehrsverträge spielen funktionierende Preisgleitmechanismen, mit denen unerwartete Kostenentwicklungen an die Aufgabenträger weitergegeben werden können, eine große Rolle im Management von Beschaffungsmarktrisiken bei Energie, Personal und Infrastrukturnutzung. Ein wichtiger Baustein des Risikomanagements ist auch der Umgang mit dem Wiederverwendungsrisiko, falls die Nutzungsdauer von Fahrzeugen über die konkrete Vertragsdauer eines Verkehrsvertrags hinausreicht. Das ist insbesondere im Schienenpersonennahverkehr relevant. Ein betrieblich flexibel einsetzbarer Fahrzeugpark und ein breites und ausgewogenes Verkehrsvertragsportfolio reduzieren dieses Risiko erheblich.

Bei DB Schenker Rail ist die führende marktbezogene Leistungskennzahl die in Tonnenkilometern gemessene Verkehrsleistung, errechnet aus den beförderten Tonnen und der durchschnittlichen Transportweite. Die relevante Auslastungskennzahl wird in Tonnen je Zug gemessen. Vergleichbar zum Geschäftsfeld DB Bahn Fernverkehr wird die Kostenstruktur hauptsächlich durch die in Zug- beziehungsweise Trassenkilometern gemessene Betriebsleistung beeinflusst. Aufgrund der höheren Volatilität der Marktnachfrage gibt es aber in viel stärkerem Ausmaß Bedarfszüge, die nicht mit langem zeitlichem Vorlauf disponiert werden können. Dies stellt erhöhte Anforderungen an die Abstimmung zwischen Vertrieb und Produktion und den darauf ausgerichteten optimalen Ressourceneinsatz.

Bei DB Schenker Logistics wird das Leistungsvolumen in Abhängigkeit vom Segment gemessen: Beim Europäischen Landverkehr spielt die Anzahl an Sendungen die entscheidende Rolle, in der Luftfracht sind es die beförderten Tonnen und in der Seefracht ist es das in TEU gemessene Frachtvolumen. In der Kontraktlogistik existiert keine vergleichbare Volumengröße, sodass Marktvergleiche in der Regel auf Umsatzbasis durchgeführt werden. Bei der Analyse von Werttreibern ist zu beachten, dass das Geschäftsfeld DB Schenker Logistics eine sehr viel geringere Kapitalintensität und Wertschöpfungstiefe hat als die bislang besprochenen Geschäftsfelder. Rund 70 % des Umsatzes dieses Geschäftsfelds werden über Vorleistungen zugekauft. Die Optimierung dieser Einkaufsbeziehungen und das Ausbalancieren über verschiedene Einflussfaktoren wie Transportrelationen, Volumen, Gewichte und Verkehrsmodus stellen daher einen wichtigen Erfolgsfaktor und Werttreiber für die Geschäftsentwicklung dar. Eine effektive IT-Unterstützung ist hier von besonderer Wichtigkeit. Gleiches gilt für das Management von Schwankungen bei Frachtraten und den spezifischen Zuschlägen auf diese Frachtraten. Unterhalb des Rohertrags ist vor allem ein effektiver und effizienter Personaleinsatz essenziell. Dies gilt in besonderem Maße für das Segment Kontraktlogistik, wo industriebezogenes Know-how und Erfahrung in der optimalen Gestaltung innerbetrieblicher Logistikprozesse einen wesentlichen Erfolgsfaktor darstellen.

Letzte Aktualisierung: 20.06.2012

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