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Lärmvorsorge

Lärmschutz bei Neubau- und Ausbauprojekten

Das Bundes-Immissionsschutzgesetz regelt den Lärmschutz an Neu- und Ausbaustrecken, die sogenannte Lärmvorsorge. Seit 2006 wurden mit knapp 460 Mio. Euro Investitionen rund 263 km Schallschutzwände gebaut und 49.680 Wohnungen mit passiven Maßnahmen versehen.

Werden Strecken neu gebaut oder wesentlich baulich verändert, schreibt das Bundes-Immissionsschutzgesetz (BImSchG) von 1974 vor, dass Anwohner und Umwelt nicht durch den Lärm geschädigt werden dürfen. Diese gesetzliche Verpflichtung, möglichst umweltverträglich zu bauen, gilt nicht nur für die Deutsche Bahn: Auch die Kommunen müssen bei der Planung neuer Wohngebiete berücksichtigen, wie sich der Lärm von Straßen, Luft- oder Schienenwegen auf die Anwohner sowie auf die gesamte Umwelt auswirkt.

Wie bei der Lärmsanierung an bestehenden Schienenverkehrswegen setzt die Deutsche Bahn auch hier oft eine Kombination von aktiven Maßnahmen an der Lärmquelle und passiven Maßnahmen an den Wohnungen um. Schallschutzwände sind jedoch entlang von Neubau- und Ausbaustrecken das erste Mittel der Wahl. In der Regel sind dies hoch absorbierende Aluminiumwände, die je nach erforderlicher Schutzwirkung zwischen zwei und vier Meter hoch sind. Oft kommt auch das „Besonders überwachte Gleis“ (BüG) zum Einsatz.

Ausführlichere Informationen zu Maßnahmen an der Strecke und an Gebäuden finden Sie im Kapitel "Ortsfester Lärmschutz". 

gesetzesbuch

Wer hat Anspruch auf Lärmvorsorge?

Anspruch besteht grundsätzlich, wenn Strecken neu gebaut werden. Welche Bedingungen erfüllt sein müssen, hat der Gesetzgeber konkret im Rahmen der 16. Bundes-Immissionsschutzverordnung (16. BImSchV) festgelegt.

Danach liegt eine wesentliche bauliche Änderung vor, wenn…

  • ein Schienenweg um ein oder mehrere durchgehende Gleise erweitert wird.
  • durch einen erheblichen baulichen Eingriff der Beurteilungspegel um mindestens 3 dB (A) oder auf mindestens 70 dB (A) am Tage oder mindestens 60 dB (A) in der Nacht erhöht wird.
  • durch eine wesentliche bauliche Änderungen eine vorhandene Lärmbelastung von 70 dB (A) und mehr am Tag oder 60 dB (A) und mehr in der Nacht durch den erheblichen Eingriff zusätzlich erhöht wird.

Ein „erheblicher baulicher Eingriff“ ist gegeben, wenn in die Substanz des Schienenwegs eingegriffen wird, beispielsweise durch eine deutliche Verschiebung des Schienenwegs. Eine Erhöhung der Zugzahlen oder der Zuggeschwindigkeiten hingegen stellen ohne erhebliche bauliche Eingriffe keine Änderung dar und sind damit auch kein Grund, Lärmvorsorge zu beanspruchen.

Ob Lärmschutzmaßnahmen erforderlich sind, wird noch einmal gesondert für jede Strecke untersucht. Dazu wird jede neue oder auszubauende Strecke in ein digitales, dreidimensionales Geländemodell aufgenommen, das die Schallquellen, die Modellierung der Luftschallausbreitung sowie die Bestimmung des Beurteilungspegels an den umliegenden Gebäudefassaden veranschaulicht. Dabei fließen sowohl die Herstellerdaten der Fahrzeuge als auch sämtliche ortsspezifischen Gegebenheiten – liegt die Strecke beispielsweise an einem Damm, dämpft dieser den Lärm ohnehin - in die Berechnung mit ein. Überschreiten nach Abschluss dieser Berechnung die prognostizierten Werte die in der 16. BImSchV festgelegten Immissionsgrenzwerte, müssen Lärmvorsorgemaßnahmen in die Bauplanung miteinbezogen werden.

Die Höhe der Lärmbelästigung, die für die Entscheidung über Maßnahmen zur Lärmvorsorge und zur Lärmsanierung maßgeblich ist, wird nicht durch Messungen ermittelt, sondern stets berechnet, und zwar durch eine so genannte Schallausbreitungsberechnung. Die 16. BImSchV schreibt vor, Verkehrsgeräusche anhand der „Richtlinie zur Berechnung von Schallimmissionen von Schienenwegen“ zu bewerten. Diese Richtlinie, kurz „Schall 03“ genannt, regelt, wie Schallemissionen, also der Lärm an der Schallquelle, und die an einem Objekt eintreffenden Schallpegel, die Schallimmissionswerte,  zu berechnen sind. Ebenso schreibt die Richtlinie die Berechnung des Beurteilungspegels vor. Auch für Planrechtsverfahren müssen „Schalltechnische Untersuchungen“ nach Schall 03 [2012] durchgeführt werden, mit der sich zudem Prognosen für zukünftige Schallsituationen erstellen lassen.