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Lärmminderung an der Quelle

Flüsterbremsen machen Züge leiser

Die Reduzierung des Lärms unmittelbar an der Quelle wirkt auf dem gesamten Streckennetz. Der Einsatz leiser Bremstechnologien im Schienengüterverkehr ist deshalb die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung des Lärms von der Schiene.

Die größte Lärmquelle ist das Rollgeräusch von Güterzügen, das vor allem durch Bremsklötze aus Grauguss verursacht wird. Beim Bremsvorgang rauen diese die Räder auf – und raue Räder verursachen laute Rollgeräusche während der Fahrt. Fahren die Züge dagegen mit Bremsen aus Verbundstoff, wird das Rollgeräusch von Güterzügen in der Vorbeifahrt um bis zu 10 dB (A) reduziert, das entspricht einer gefühlten Halbierung des Lärms.

Leise Bremstechnologien im Schienengüterverkehr sind deshalb die wichtigste Maßnahme zur Minderung der Lärmemissionen. Ihr großer Vorteil liegt darin, dass sie ihre Wirkung im gesamten Streckennetz entfalten. 

DB Cargo rüstet bis Ende 2020 vollständig um – Ende 2016 war bereits die Hälfte der Güterwagen leise

Die rund 55.000 Bestandsgüterwagen der DB Cargo werden bis zum Jahr 2020 auf die LL-Verbundstoffbremssohle umgerüstet sein. Die DB geht davon aus, dass die übrigen Wagenhalter diesem Beispiel folgen werden.

Umrüstung Stand Ende 2016

Ende 2016 hatte DB Cargo bereits inklusive des Vorgängerprojektes „Leiser Rhein“ rund 24.100 Wagen umgerüstet und hat zusammen mit den neu beschafften Wagen insgesamt 32.400 leise Güterwagen in der Flotte. Somit ist die Hälfte der in Deutschland eingesetzten Wagen von DB Cargo leise. Neuwagen kauft DB Cargo bereits seit 2001 ausschließlich mit leiser Bremstechnologie: Ende 2016 waren bereits über 8.300 Neuwagen mit der leisen Bremssohle K-Sohle (K steht für Komposit-Werkstoffe) im Einsatz.

Gemeinsamer Kraftakt

Subjektiv wahrgenommen wird sich die volle Wirkung der Lärmminderung erst entfalten, wenn alle in Deutschland verkehrenden Güterwagen mit der leisen Bremstechnologie ausgestattet sind. Denn solange Güterwagen mit Graugussbremsen fahren, bleibt das Rollgeräusch deutlich hörbar, weil die Bremsen die Räder aufrauen.

Neben den Wagen von DB Cargo verkehren auch andere deutsche und ausländische Wagenhalter auf dem deutschen Streckennetz. Daher bedarf es einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller Beteiligten – der EU, des Bundes, der Wagenhalter und der Eisenbahnverkehrsunternehmen auf nationaler und europäischer Ebene - , um die Lärmbelastung spürbar zu reduzieren.

Förderung seitens BMVI und EU

Die Umrüstung der Bestandsgüterwagen wird durch verschiedene Finanzierungsinstrumente seitens des BMVI und der EU gefördert, über das lärmabhängige Trassenpreissystem der DB Netz AG wird zusätzlich auf den Einsatz leiser Wagen hingewirkt.

CEF-Förderung

Seit 2012 bietet das BMVI Wagenhaltern eine finanzielle Unterstützung bei der Umrüstung. Mit dem neuen EU-Finanzierungsinstrument CEF Transport wurde 2014 auch die Förderung von Bestandsgüterwagen mit LL-Sohlen zu Lärmschutzzwecken vorgesehen. DB Cargo hat hierbei für den Zeitraum von 2014 bis 2016 von der EU die Zusage einer Kofinanzierung für die LL-Umrüstung von Bestandsgüterwagen erhalten (unter der Antragsnummer 2014-DE-TA-0389-W).

 

Förderung höherer Betriebskosten würde Umrüstung beschleunigen

Im Vergleich zur Grauguss-Sohle fallen bei der LL-Sohle deutliche Mehrkosten im täglichen Betrieb an, zum Beispiel durch vermehrte Inspektionen, häufigeres Radabdrehen, höheren Radverschleiß und deutlich teurere Sohlen in der Ersatzbeschaffung. Diese Kosten sind bislang nicht Gegenstand der Förderung und müssen von den Wagenhaltern getragen werden. Eine Ausweitung der Förderung auf diese investitionsbedingten Mehrkosten würde die Umrüstung der Wagen daher deutlich beschleunigen.

Mit Flüsterbremsen fahrende Güterwagen verursachen nur halb so viel Lärm wie herkömmliche Güterwagen, die noch mit den alten Graugussbremsen fahren. Denn mit Flüsterbremsen bleiben die Laufflächen der Räder glatter, die Wagen rollen somit leiser.

Die so genannte leise K-Sohle wurde bereits 2001 für den lärmmindernden Einsatz zertifiziert und freigegeben. Bei Neuwagen ist sie ohne Mehraufwand einbaubar. Bei Bestandswagen müsste dafür aber die gesamte Bremsanlage des Fahrzeugs umgebaut und je nach Wagenbauart neu zugelassen werden. Die Umrüstung auf die K-Sohle ist somit aufwendig und teuer, sie kostet zwischen 5.000 und 7.000 Euro pro Wagen.

Wesentlich geringere Kosten entstehen bei der Umrüstung auf die seit Juni 2013 zugelassene LL-Sohle (LL steht für „low noise, low friction“ – wenig Lärm, wenig Abrieb). Denn die Grauguss-Sohlen können in der Regel ohne Umbau der Bremsanlage 1:1 gegen die neue Verbundstoffbremssohle ausgetauscht werden. Die Kosten liegen mit rund 1.700 Euro pro Wagen um rund zwei Drittel niedriger als der Einsatz mit der K-Sohle.