Vom Discounter-Filialleiter zum Lokführer

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Vom Discounter-Filialleiter zum Lokführer

Vincenzo Traviglia hat jahrelang im Einzelhandel gearbeitet. Im Alter von 50 Jahren entschied er sich schließlich für eine Umschulung zum Lokführer bei DB Regio NRW. Hier erzählt er von der besten Entscheidung seines Lebens – und warum es nie zu spät für einen Neuanfang ist.

Wenn Kinder gefragt werden, was sie später einmal werden wollen, sind häufige Antworten: Feuerwehrmann, Polizist oder Lokführer. Auch Vincenzo Traviglia, 50, hat als Kind davon geträumt, eine große schnaufende Dampflok zu fahren. Dazwischen kam eine Karriere im Einzelhandel. Über 15 Jahre arbeitete er als Filialleiter bei Aldi – mit wenig Planungssicherheit und teils sechs Tage am Stück. Anfang 2019 zog Traviglia schließlich die Notbremse. 

Per Zufall zurück zum Kindheitstraum

„Die Arbeit im Einzelhandel hat mich irgendwann einfach nicht mehr erfüllt. Ich wurde dann erst mal arbeitslos, bis das Arbeitsamt mich auf eine Umschulung zum Lokführer aufmerksam gemacht hat. Da fiel mir ein, dass ich den Beruf doch früher immer so toll fand“, erinnert er sich. Traviglia sammelte daraufhin alle Infos über das Umschulungsangebot, sprach mit Freunden, Bekannten – und auch mit Lokführern. „Je mehr ich über den Job erfahren habe, desto mehr war ich davon überzeugt, dass das jetzt genau das Richtige für mich ist“, erzählt er. 

Viel mehr als nur einen Hebel zu bedienen

Aber mit 50 den Beruf wechseln? „Zugegeben, in der Gesellschaft gilt man mit 50 Jahren schon als zu alt, um etwas Neues anzufangen. Ich bin aber froh, dass ich diesen Schritt gemacht habe und hatte Glück, etwas zu finden, das mir so gut gefällt“, sagt Traviglia. Die Umschulung zum Lokführer fing im vergangenen Frühjahr an, die Abschlussprüfung folgte im Januar 2020. Seitdem sitzt Traviglia eigenverantwortlich vorne im Führerhaus – ganz offiziell als "Triebfahrzeugführer", aber die Berufsbezeichnung Lokführer geht halt leichter über die Lippen. „Das letzte Jahr war echt nicht ohne. In meinem Alter lernt man nicht mehr so viel und so schnell wie damals in der Schule oder Ausbildung. Außerdem steckt hinter dem Beruf Lokführer viel mehr als nur einen Hebel zu bedienen. Ich bin sehr stolz darauf, dass ich mir die Technik und das Verhalten im Betriebsdienst so gut aneignen konnte“, freut er sich.

Die Aufregung bleibt

Nach der bestandenen Prüfung fahren die frisch gebackenen Lokführer erst mal für einige Wochen in Begleitung eines Kollegen. Seit letzter Woche fährt Traviglia seine Strecken alleine. Er bedient die Linien der S11, S12, S13 und S19: „Inzwischen kenne ich die Signale und Bahnsteige in- und auswendig. Trotzdem bin ich aktuell noch vor jeder Schicht aufgeregt“, erzählt er. Was Traviglia am neuen Job besonders gut gefällt: die Ruhe und Konzentration vorne im Führerhaus. „Man trägt als Lokführer unheimlich viel Verantwortung. Das Stresslevel ist dabei ein anderes als im Einzelhandel“, erzählt er. 

Das einzige, was ihn manchmal noch an seinen alten Job erinnert, sind Polohemden: „Bei den Discountern hatte ich zur Arbeit immer weiße Polohemden an. Bei der DB gehören die zur Unternehmensbekleidung. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber zum Glück auf.“