Vom Beet auf die Lok

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Vom Beet auf die Lok

Eigentlich ist Nancy Nietsch gelernte Friedhofsgärtnerin. Dann entschied sie sich für den Quereinstieg bei der DB – und steckt jetzt mitten in der Qualifizierung zur Lokrangierführerin. Im Interview erzählt die 24-Jährige, wie es dazu kam.

Frau Nietsch, Sie sind gelernte Friedhofsgärtnerin. Jetzt schulen Sie auf Lokrangierführerin um. Warum der Wechsel?

Gärtnerin war eigentlich mein Herzensberuf. Aber nachdem ich drei, vier Jahre in diesem Beruf gearbeitet hatte, wurde mir klar, dass ich dort keine Zukunft habe. Die Bedingungen werden leider immer schlechter. Ich war zum Beispiel regelmäßig zur Wintersaison arbeitslos.

Warum ist das so?

Die Grabkultur ändert sich. Grabpflege ist teuer, die Nachfrage geht zurück. Immer mehr Menschen möchten gerne in Friedwäldern bestattet werden oder entscheiden sich für ein Urnengrab. Das wirkt sich natürlich auch auf die Gärtnereibetriebe aus. Deshalb habe ich mich nochmal neu orientiert. Mit 24 bin ich noch jung genug, um einen zweiten Beruf zu lernen.

Wie kamen Sie zum Lokrangierdienst?

Ich habe im Internet nach Möglichkeiten für den Quereinstieg gesucht und bin auf den Lokrangierdienst bei der DB gestoßen. Das fand ich spannend. Dann gab es einen Bewerbertag, bei dem wir uns alles vor Ort anschauen und auch auf der Lok mitfahren durften. Das war ziemlich faszinierend! Wichtig war mir auch, dass ich weiterhin in Frankfurt arbeiten kann. Und dann habe ich im Sommer mit der Qualifizierung angefangen.

Nancy Nietzsch

Wie sieht jetzt der Alltag aus?

Wir haben gerade hauptsächlich Theorieunterricht. Neben dem Fachwissen sind aber auch Ortskenntnisse sehr wichtig. Wir sind für das Gleisvorfeld vor dem Frankfurter Hauptbahnhof und die angrenzende Abstellanlage, das Mainzer Becken, zuständig. Das ist ein ziemlich großes, komplexes Gebiet mit vielen Gleisen. Hier den Überblick zu bekommen, ist ziemlich anspruchsvoll.

Und was sind dort Ihre Aufgaben?

Wir gehören zu DB Fernverkehr und sind hauptsächlich dafür zuständig, Intercity-Züge zusammenzustellen. Das bedeutet zum Beispiel: beschädigte Wagen ausbauen und in die Werke in Frankfurt-Griesheim bringen oder reparierte Wagen dort abholen und wieder in die Züge eingliedern. So tragen wir auch dazu bei, dass Zugausfälle so gering wie möglich bleiben und Kunden sicher von A nach B gebracht werden können.

Wie geht es nach der Ausbildung weiter?

Im Sommer 2020 stehen erstmal die Prüfungen an. Danach möchte ich ganz normal im Rangierdienst arbeiten, Erfahrungen sammeln und Routine aufbauen. Später würde ich mich gerne weiterentwickeln, zum Beispiel in die Disposition. Die DB bietet ja viele Möglichkeiten.

Vermissen Sie manchmal Ihren alten Beruf?

Ich habe schon gerne mit Pflanzen gearbeitet und Gräber gestaltet. Aber vieles ist auch ähnlich geblieben. Ich bin immer noch bei Wind und Wetter draußen. Und in beiden Berufen sollte man handwerklich arbeiten und anpacken können. Nur der Schichtdienst ist neu für mich. Aber ein Schreibtischjob wäre einfach nichts. 

Was gefällt Ihnen am neuen Beruf am besten?

Ich mag es, wenn es nachts am Hauptbahnhof ruhiger wird. Die Stille in Kombination mit der beleuchteten Frankfurter Skyline, das hat schon eine gewisse Romantik.