Im Führerstand bis nach Malmö

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Im Führerstand bis nach Malmö

Zeigen, was DB Cargo und die Menschen dahinter leisten. Erleben Sie, was alles dazu gehört, damit Waren sicher und ohne Verzögerungen an ihre Ziele gelangen. Wir sprechen mit denjenigen, die DB Cargo mit Leben füllen – über Ländergrenzen hinweg. Dieses Mal begleiten wir vier Lokführer im Führerstand des Zuges nach Malmö.

 Auf geht‘s mit der EG 3105 und Werner Berger

„Hallo, ich bin Werner.“ Kein Schnickschnack, kein großes Gerede und Geplänkel bei der Begrüßung an der Lok. Werner Berger ist Lokführer bei DB Cargo in Maschen. Er fährt den Zug 44744 bis ins dänische Padborg. Berger ist seit rund 35 Jahren im Beruf.

Die Lok hochzufahren und vorzubereiten, dauert einige Minuten. Dann erwacht die EG 3105 geräuschvoll zum Leben. Es ist ihre Art, wie ein Kätzchen zu schnurren. Wenn Berger die Lok übernimmt, sind die Wagen natürlich noch nicht angekuppelt.

Bevor es losgehen kann, müssen der Meldezettel Zugvorbereitung auf dem Dienst-Tablet von Berger komplettiert, Bremszettel und Wagenliste kontrolliert sein. Was taugt die Lok? „Die EG 3105 gehört zu einer dänischen Kleinserie, die bei Siemens gebaut wurde. Sie könnte auf dieser Strecke bis zu 2.300 Tonnen ziehen. Alle sechs Achsen sind angetrieben – ein enormer Vorteil gegenüber anderen Baureihen mit vier Achsen.“ Dass er gern mit der Lok unterwegs ist, ist glasklar.

Rund drei Stunden und 220 Kilometer bis Padborg

Auf seinen Fahrten nach Padborg passiert Berger stets die beeindruckende Konstruktion der Rendsburger Hochbrücke. „Auf der Rendsburger Hochbrücke dürfen sich keine Güterzüge begegnen“, erzählt Berger. „1913 wurde sie eingeweiht, die Steigung hier ist enorm. Bis Ende 2014 hat es hier lange Zeit Bauarbeiten gegeben, während derer die Brücke nur eingleisig befahrbar war.“ Für ihn ist der Anblick der Brücke immer noch spektakulär, auch wenn er schon seit vielen Jahren auf dieser Strecke unterwegs ist.

Im dänischen Padborg ist seit 2002 eine gemeinschaftliche dänisch-deutsche Triebfahrzeugführer-Einsatzstelle eingerichtet. Hier wartet Lars Andresen von DB Cargo Scandinavia, um den deutschen Kollegen abzulösen. Nach seiner vorgeschriebenen Pause wird Berger einen Zug zurück nach Maschen übernehmen.

Die Übergabe zwischen dem deutschen und dem dänischen Kollegen ist in wenigen Minuten erledigt, kurz werden betriebliche Dinge besprochen, bevor Andresen am gesamten Zug die Bremsen umstellen muss. Denn während auf deutscher Seite der G-Plan vorgeschrieben ist, ist in Dänemark die Bremsstellung P Pflicht. Die Verständigung laufe entweder auf Deutsch oder Englisch, einige Triebfahrzeugführer sprächen aber auch jeweils die andere Sprache. Probleme bei der Übergabe gebe es daher keine.

Nummernrevue

Ab Padborg hat der Zug eine neue Nummer. Aus 44744 wird eine 63330. Und noch etwas ist anders: In Dänemark beträgt die Spannung in der Oberleitung 25.000 Volt, in Deutschland 15.000. Andresen ist meist beruflich zwischen Padborg und Nyborg auf der Lok, sodass er abends wieder bei seiner Familie sein kann. „Die EG macht so gut wie keine Probleme.“

Stolz auf DB Cargo Scandinavia

Sein Unternehmen – das ist DB Cargo Scandinavia. Dort ist ein Team von rund 280 Mitarbeitenden im Einsatz, um das nationale und internationale Transportgeschäft für Dänemark und Schweden durchzuführen. Auf zehn Rangierbahnhöfen und in zwei Terminals für den Kombinierten Verkehr können Züge gebildet oder aufgelöst beziehungsweise Waren umgeschlagen werden. Gütertransporte von und nach Skandinavien sind das tägliche Geschäft aller Kolleginnen und Kollegen – europäische Netzwerke sind auf diese Weise ganz automatisch Teil der DNA von DB Cargo Scandinavia.

Teil der DNA sind auch die sympathischen dänischen Lokführer. Die Begeisterung, die Andresen für seinen Job und das Unternehmen vermittelt, steckt an. Übrigens bestand bis 2018 ein Joint Venture mit dem Unternehmen Green Cargo.

Die Highlights des Streckenabschnitts sind die Lillebeltbrücke, Große-Belt-Querung und Öresundbrücke. Früher sind die Züge von Nyborg mit der Fähre über den Großen Belt übergesetzt. Andresen selbst hat das noch aktiv erlebt. Mit Inbetriebnahme der festen Verkehrsverbindung über den Belt sei das aber Geschichte gewesen.

Mit 70 Jahren noch voll dabei

In Nyborg stehen schon die nächsten Lokführer bereit: Sören Skaarup wartet am Bahnsteig mit seinem Kollegen Thomas Corfitzen, der Personalwechsel dauert nur etwas mehr als eine Minute. Sören Skaarup. ist fast 70 Jahre und sprüht geradezu vor Begeisterung für seine Arbeit und für DB Cargo Scandinavia. Was zeichnet für ihn den Beruf aus? Bei der Antwort kann sich Skaarup ein Lächeln nicht verkneifen: „Ich bin hier allein, ohne Fahrgäste oder Zugführer, die was von mir wollen.“

Mächtig gewaltig

Ein Highlight der Strecke: Der Große Belt mit spektakulären Aussichten aus dem Führerstand. Mächtig gewaltig: „Wir haben hier gerade eine Neigung von 16 Promille. Selbst die EG schafft hier nur knapp 70 km/h“, sagt Skaarup. „Und wenn wir an der tiefsten Stelle im Tunnel sind, kann man das sogar hören, das merkt man richtig.“

Ein weiteres grandioses Bauwerk auf dem Weg nach Malmö: die Öresundbrücke. Hier passieren Skaarup und sein Team eine Landesgrenze. Die Lok erkennt den Wechsel zum schwedischen Stromsystem automatisch. Vorher muss der Triebfahrzeugführer auf das schwedische Automatic-Train-Control-System umstellen. Im Güterbahnhof Malmö muss Skaarup die Wagen sichern und die Lok entkuppeln. Anschließend muss er die Lok bis zum Gleis 11 fahren. Damit ist das letzte Stück der Etappe geschafft.

#EUYearofRail: Im "Center" von DB Cargo ist immer was los

Das „Center“ ist natürlich kein Einkaufszentrum auf dem Gelände von DB Cargo in Maschen, sondern das Verwaltungsgebäude. In der ersten Etage hat die zentrale Dispostelle ihren Sitz. Etwas über 30 Kolleg:innen aus sechs Bereichen arbeiten dort. Nicht alle auf einmal, sondern im Schichtsystem, und das „24/7“ – das Licht geht in der ersten Etage also nie aus, denn die Dispostelle ist immer besetzt. 

Zugbildungsdisponentin Rebecca Bendfeldt im Einsatz

Rebecca Bendfeldt ist Zugbildungsdisponentin und gerade verantwortlich für die Süd-Nord-Verkehre. Sozusagen die „Chefin“ von Waren, die zum Beispiel aus München, Nürnberg oder Mannheim kommend in Richtung Schweden oder Dänemark müssen. Bevor das geht, müssen die eingehenden Züge in Maschen aber erst einmal aufgelöst und neu gebildet werden, je nach Ziel der Wagen. Das ist der Job von Rebecca Bendfeldt. Seit 23 Jahren arbeitet die ausgebildete Eisenbahnerin im Betriebsdienst in Maschen, schon ihr Vater war Eisenbahner. Das Disponieren der Wagen am Rechner erledigt sie konzentriert und mit viel Erfahrung, für das Ablaufen der Wagen vom Ablaufberg der Zugbildungsanlage ist dann der Bergmeister zuständig. Normalerweise fahren allein im Korridor Maschen – Padborg – Maschen wöchentlich jeweils rund 70 Züge Richtung Norden und in etwa genauso viele Richtung Süden. 

Rangiermeister John Frank lässt sich nicht aus der Ruhe bringen

Konzentriert arbeitet auch Rangiermeister John Frank. Er hat ebenfalls eine Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst absolviert, für ihn ging es direkt von der Schule zur Bahn. 

Und auch sein Job ist verantwortungsvoll: „Wenn ich von den Zugbildungsdisponenten die Information bekommen habe, dass der Zug auf dem betreffenden Gleis fertig ist, lasse ich vom Bergmeister das Gleis sperren und die Kuppler am Zug entlanglaufen“, erläutert Frank die nötigen Arbeitsschritte. Wenn Kuppler, Wagenmeister und Fahrdienstleiter ihre Arbeit erledigt und sich untereinander verständigt und bei Frank gemeldet haben, fährt die Lok auf das entsprechende Gleis, und das Bremspersonal kommt zum Einsatz. „Erst, wenn ich die Bestätigung bekomme, dass der Zug ordnungsgemäß gebremst wurde, gebe ich über den Rechner die Ausfahrt an den Fahrdienstleiter”. Bevor sich Güterzüge auf ihre Reise begeben können, sind also viele Arbeitsschritte nötig. Und viele Menschen bei DB Cargo kümmern sich darum, dass dabei alles reibungslos verläuft.

DB Cargo – großer Name, große Verantwortung...

In 17 europäischen Ländern und China ist DB Cargo aktiv. Was für die Kundinnen und Kunden gut ist, ist gleichzeitig auch ein enorm wichtiger Beitrag für den Klimaschutz. Allein durch die Verkehrsleistung von DB Cargo können jährlich rund sieben Millionen Tonnen CO2 eingespart werden. Der Schienengüterverkehr entlastet auch die Straßen, denn ein Güterzug macht den Einsatz von 52 Lkw überflüssig. Schon heute werden 90.000 Lkw-Fahrten auf der klimafreundlichen Schiene ersetzt. Und da wir im Europäischen Jahr der Schiene sind: Bereits jetzt sind rund 60 Prozent aller DB Cargo-Transporte transeuropäisch.

Mit DB Cargo und Detlef Möhring nach Skandinavien

Detlef Möhring ist Traffic Manager für Skandinavien bei DB Cargo und Korridorverantwortlicher für den Transitweg über Dänemark und auch für die Fähre über Schweden. Denn bei den Skandinavienverkehren verfolgt DB Cargo eine Zwei-Wege-Strategie. Er ist ein Bahn-Urgestein: seit 1975 ist er schon dabei, angefangen hat er bei der Reichsbahn der DDR.

Einfacher Zugang zu großem Netzwerk

„DB Cargo bietet den Kundinnen und Kunden den einfachen Zugang zu einem großen Netzwerk, und das geht schon ab einem Wagen“, sagt Detlef Möhring. „Beim Einzelwagenverkehr ist DB Cargo führend, etwa 90 Prozent der dort anfallenden Mengen wird mit unseren Zügen gefahren.“

Rekordverdächtige Nord-Süd-Relation

„Bei den Skandinavienverkehren haben wir bei DB Cargo die längsten Relationen, die wir bedienen“, sagt Möhring nicht ohne Stolz. Von Karlsborgsbruk in Schweden bis ins französische Perpignan sind es beispielsweise mal eben über 3.800 Kilometer auf dem Schienenweg.

Gute Planung ist Voraussetzung

Wie viele Mitarbeitende sind nötig, damit von der Planung eines Transportes bis hin zur eigentlichen Durchführung alles reibungslos funktioniert? „So rund zehn Kolleg:innen sind im Vorfeld der eigentlichen Zugfahrt involviert, und nochmal rund zehn kümmern sich um die Durchführung. Also von der Abteilung Solution Design (Informationen aus den Bereichen Commercial Purchasing und Sales Department) über die Zugbildungsdisponent:innen bis hin zum Lokführer oder zur Lokführerin“, sagt Möhring. „Wir vom North-East Traffic Management sind bei den Skandinavienverkehren sozusagen die Planer:innen und Koordinator:innen der internationalen Verkehrskonzepte und haben ein Auge darauf, dass die Verkehre auf der Schiene – aber auch auf dem Seeweg - effizient abgewickelt werden.“ Nach Schweden werden hauptsächlich Konsumgüter und Produkte der Industrie transportiert, sogenannte „weiße Ware“ wie zum Beispiel Waschmaschinen. In die andere Richtung besteht die Ladung meist aus Stahl, Papier und Verpackungen.