Zur Stelle, wenn die Fahrradreisenden kommen

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Zur Stelle, wenn die Fahrradreisenden kommen

Urlaubszeit ist Reisezeit. Immer öfter auch mit Fahrrädern im Gepäck. Um Fahrradreisenden die Fahrt mit den Fernverkehrszügen der Deutschen Bahn so einfach wie möglich zu gestalten, sind in diesem Sommer an den großen deutschen Bahnhöfen Reisendenlenker im Einsatz, die beim Einstieg in den Zug helfen. Wir haben am Berliner Hauptbahnhof vier Reisendenlenker bei der Arbeit begleitet.

Die Bahnsteige des Berliner Hauptbahnhofs sind prall gefüllt. Viele Fahrgäste wollen ihre Reise starten – mit einigem Gepäck und manchem Fahrrad. Auf Gleis 14 hat der lokbespannte Intercity der Linie 77 nach Amsterdam Centraal gerade Einfahrt.  

Eine Teamleistung 

Kurz vor der Ankunft huscht Klaus Peter Deuble, Koordinator Pünktlichkeit & Kapazität im Bahnhofsmanagement Berlin Fernbahnhöfe, über den Bahnsteig. Im Schlepptau die Reisendenlenker Carmen Vock und Matthias Hillebrand. Nach und nach sprechen sie die Fahrgäste mit Fahrrad an, ob diese eine Fahrradreservierung haben. Der genaue Zielort der Reise ist besonders wichtig. „So können wir die Räder in einer sinnvollen Reihenfolge in den Zug bekommen, um auch den Ausstieg später zu erleichtern und damit keine Haltezeitüberschreitung dort entstehen kann“, erklärt Deuble. Räder mit Reiseziel Amsterdam also zuerst und am weitesten hinten im Fahrradabteil einhängen. Muss das Rad früher raus, sollte es besser näher an der Tür positioniert werden.

Deutschlandweites Angebot 

Für die Reisenden, die ihre Räder teils mit vielen schweren Taschen und Gepäckstücken beladen haben, sind die Reisendenlenker eine willkommene Hilfe. Dieses Angebot erhalten sie in diesem Sommer aber nicht nur im Berliner Hauptbahnhof, sondern auch an vielen anderen großen Stationen deutschlandweit.  

Wo wird geholfen?

Die Reisendenlenker sind nicht nur am Berliner Hauptbahnhof zu finden. Sie helfen Fahrgästen auch in den Hauptbahnhöfen von Frankfurt/Main (sowie Flughafen Fernbahnhof), Stuttgart, Köln, Mannheim, Hannover, Hamburg, München und Leipzig.

Neben der Hilfe beim Einstieg sorgen die Reisendenlenker mithilfe einer aktiven Ansprache für eine bessere Verteilung der Fahrgäste auf dem Bahnsteig. So soll eine Pulkbildung auf dem Bahnsteig vermieden werden und das Einsteigen kann zügig vonstattengehen.

An den Standorten Dresden, Berlin und Stuttgart sind parallel zusätzliche Zugbegleiter auf Intercity-Linien im Einsatz. Die Kollegen an Bord unterstützen tatkräftig bei der Fahrradmitnahme auf der Linie 17 von Dresden über Berlin nach Warnemünde, in Baden-Württemberg auf Linie 87 zwischen Stuttgart und Singen (Hohentwiel).

Im Berliner Hauptbahnhof sind die Reisendenlenker zum Beispiel Freitag, Samstag und Sonntag von 8 bis 19 Uhr im Einsatz. Ein Haupteinsatzgebiet ist die Intercity-Linie 77 über Hannover nach Amsterdam. Bis zu 16 Fahrräder können hier mitgenommen werden. „Doch der Aufbau der Wagen ist für einen schnellen Einstieg mit vielen Rädern nicht optimal ausgelegt“, erklärt Deuble. 

Da ist es von Vorteil, wenn der IC 146 wie an diesem Vormittag bereits vorplanmäßig um 10.29 Uhr am Bahnsteig zum Stehen kommt. So bleiben fünf Minuten, um die zwölf Räder an ihren Platz im Wagen 4 am Schluss des Zuges zu bringen. Dieser Standort ist extra dafür ausgeklügelt worden, weil hier eine sehr breite Aufstellfläche am Bahnsteig für Fahrgäste mit Fahrrad zur Verfügung steht. Bevor es losgeht, müssen die Taschen abgenommen werden. 

Alles passiert in wenigen Minuten

Dann helfen Carmen Vock und Matthias Hillebrand beim Einstieg in den Wagen und koordinieren die Räder im Wagen. Zum Abschluss müssen die Taschen vom Bahnsteig noch fix in den Wagen gebracht werden. Alles geschieht in wenigen Minuten. Am Ende bleibt sogar noch eine Minute bis zur Abfahrt und genug Zeit, um einen Kinderwagen in den Intercity zu bugsieren. 

Kurz nach dem der Intercity den Hauptbahnhof verlassen hat, heißt es durchschnaufen für die beiden Reisendenlenker. „Ich mag den Kontakt mit den Leuten, vor allem jetzt nach der langen Zeit im Lockdown“, erzählt Studentin Carmen Vock über ihre Arbeit. Viele Reisende seien sehr dankbar für die Hilfe. „Wenn mal etwas nicht läuft, sind wir aber natürlich auch die ersten, die das Problem lösen müssen.“  

Abwechslungsreicher Job 

Mehrere Etagen tiefer sind Julius Däumer und Dani Dawood auf den unteren Bahnsteigen unterwegs. Erst beim Eurocity nach Prag und anschließend beim ICE 4 gen München. Auch hier sind fast alle Fahrradplätze voll belegt und die Hilfe von beiden Kollegen gern gesehen. „Es ist ein sehr kommunikativer Job, den man sich flexibel einteilen kann“, beschreibt Julius Däumer die Arbeit. Zudem bekomme man den Einblick in viele operative Abläufe. Obendrein sorgt der Job für viel Bewegung: Insgesamt 15 Kilometer laufe man pro Tag erzählt Carmen Vock grinsend – vor allem wenn dann doch mal die Wagenreihung wechselt. Auch dann sind die Reisendenlenker zur Stelle.