Vorlesestudie 2019: Vorlesen geht auch ohne Bücher

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Vorlesestudie 2019: Vorlesen geht auch ohne Bücher

Ein Drittel der Eltern liest seinen Kindern zu selten vor. Dabei wären 15 Minuten am Tag schon ausreichend.

Obwohl Vorlesen auf vielfältige Weise möglich ist, tut es ein Drittel aller Eltern zu selten. Das zeigt die Vorlesestudie 2019 der Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung. Weiter heißt es darin, dass Berufstätigkeit generell kein Hindernis sei. Besonders Väter würden aber noch immer zu wenig vorlesen.

Viele Eltern fassen den Begriff des Vorlesens zu eng und denken, dass dazu immer ein gedrucktes Buch mit viel Text gehört. Schauen Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Wimmelbücher an oder lesen Texte vom E-Reader vor, verstehen dies 23 Prozent nicht als Vorlesen. Mit Babys einfache Bilderbücher zu betrachten, gehört für jeden fünften Befragten nicht dazu – obwohl gerade diese Impulse von Anfang an für die Entwicklung von Kindern wichtig sind. 

Dies zeigt die Vorlesestudie 2019, die am 29.10. im Berliner BahnTower vorgestellt wurde. Jörg Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen, sagte in diesem Rahmen: „Eltern weltweit wollen nur eins, dass es ihren Kindern gut geht und sie ihre Träume leben können. Vorlesen ist dabei die wahre Superpower. Nichts, was sich Eltern für ihre Kinder wünschen, geht ohne vorlesen.“ Die Studie ist wie der Bundesweite Vorlesetag am 15. November ein gemeinsames Projekt von Stiftung Lesen, DIE ZEIT und Deutsche Bahn Stiftung.

4 Personen stellen die Vorlesestudie 2019 vor.

Eltern lesen im Durchschnitt zu selten vor

Rund 32 Prozent aller Eltern in Deutschland lesen ihren Kindern im Vorlesealter von zwei bis acht Jahren demnach zu selten oder nie vor. Dieser Wert hat sich seit 2013 nicht verändert. Vor allem Eltern mit formal niedriger Bildung lesen zu selten oder nie vor (51 Prozent) und haben darüber hinaus einen besonders konservativen Vorlesebegriff. 

Die Studie hat zudem herausgefunden, dass berufstätige Mütter mehr vorlesen, als nicht berufstätige. Im Vergleich lesen 27 Prozent berufstätiger Mütter zu selten vor, bei den nicht berufstätigen sind es 39 Prozent. Väter sind weiterhin Vorlesemuffel, 58 Prozent von ihnen lesen selten oder nie vor. 

Mit vielfältigen Materialien werben die drei Partner für den Vorlesetag.

Viele Möglichkeiten für sprachliche Anreize

„Wir raten daher allen Müttern und Vätern, jeden Tag 15 Minuten vorzulesen“, sagt Rainer Esser, Geschäftsführer der ZEIT Verlagsgruppe. Jörg Maas, Hauptgeschäftsführer der Stiftung Lesen resümiert: „Unsere Aufgabe bleibt es weiterhin, Eltern zu motivieren und ihnen zu zeigen, dass Vorlesen wichtig für die Entwicklung von Kindern ist. Sie können im Alltag auf vielfältige Weise sprachliche Anreize geben.“ Auch Comics und Bilderbücher anschauen oder das Erzählen von Geschichten helfe den Kindern, Sprache zu entwickeln und lesen zu lernen, erklärt Jürgen Kornmann, Leiter Marketing & PR der Deutschen Bahn und Beauftragter Leseförderung der Deutsche Bahn Stiftung.

Weitere Ergebnisse

Alle Ergebnisse sowie Vorleseempfehlungen für Kinder zwischen zwei und acht Jahren finden Sie unter: www.stiftunglesen.de/vorlesestudie (extern).

Zentrale Ergebnisse aus den zurückliegenden Vorlesestudien sind:

  • Kinder, denen regelmäßig vorgelesen wird, sind allgemein erfolgreicher in der Schule. Sie haben in Deutsch, Mathe und Fremdsprachen bessere Noten als Kinder, denen nicht vorgelesen wird. (2011)
  • Vorlesen hat darüber hinaus eine längerfristige soziale Bedeutung. Wurde Kindern regelmäßig vorgelesen, sind diese häufiger darum bemüht, andere in die Gemeinschaft zu integrieren. Auch ist der allgemeine Gerechtigkeitssinn dieser Kinder besonders ausgeprägt. (2015)
  • Vier von fünf Kindern, denen regelmäßig vorgelesen wurde, fällt das Lesenlernen in der Grundschule leicht. Bei den anderen ist das laut ihren Eltern deutlich seltener der Fall (50 Prozent). Fragt man die Kinder selbst, ist sogar mehr als die Hälfte der Grundschüler mit wenig Vorleseerfahrung frustriert, weil das Lesenlernen ihnen zu lange dauert. (2018)
Weitere Informationen

Beim Bundesweiten Vorlesetag setzen jedes Jahr Hundertausende Menschen ein Zeichen für das Vorlesen. 2019 findet er am 15. November statt. Machen auch Sie mit! Weitere Infos gibt es hier: www.vorlesetag.de.

Die Vorlesestudie wird seit 2007 jährlich durchgeführt. 2019 hat KMF Krämer Marktforschung GmbH im Juni und Juli 700 Eltern von Kindern im Alter von 2 bis 8 Jahren (490 Mütter, 210 Väter) telefonisch befragt. Die Ergebnisse sind damit repräsentativ für diese Zielgruppen.