Stufenloser Ein- und Ausstieg schafft mehr Komfort für alle Reisenden

Der ICE L

Der erste ICE mit stufenlosem Einstieg

Artikel: Stufenloser Ein- und Ausstieg schafft mehr Komfort für alle Reisenden

Erste Züge ab Oktober 2024 im Einsatz

Mehr Menschen wollen mit der Bahn verreisen − ob innerhalb Deutschlands oder in die europäischen Nachbarländer. Daher wächst die Fernverkehrsflotte der Deutschen Bahn (DB) kontinuierlich. Der neue ICE L des spanischen Herstellers Talgo wird ab Oktober 2024 als jüngstes Mitglied die ICE-Familie verstärken. Ab dann werden die 23 bestellten Züge schrittweise in Betrieb gehen.


Der ICE L vereint neue Technik, mehr Platz und hohen Komfort in sich: Der Zug besteht aus einer neu entwickelten Mehrsystemlok und 17 Reisezugwagen inklusive Steuerwagen. Mit der Mehrsystemlok ist der Einsatz des ICE L auch im grenzüberschreitenden Verkehr möglich. So kann der ICE L nicht nur innerhalb Deutschlands, sondern auch problemlos durch die Niederlande nach Amsterdam fahren.

„Der stufenlose Einstieg beim ICE L setzt neue Maßstäbe. Reisen mit der Bahn wird so für alle Fahrgäste noch einfacher und komfortabler. Und mit dem neuen Innendesign im ICE gibt es erstmals Wohnzimmeratmosphäre auf der Schiene.“

Dr. Michael Peterson, DB-Vorstand Personenfernverkehr

Der erste Abruf von 23 Zügen im Wert von rund 550 Millionen Euro ist Teil eines 2019 abgeschlossenen Rahmenvertrags der DB mit Talgo über bis zu 100 Einheiten. Das spanische Unternehmen hat in einem europäischen Vergabeverfahren das attraktivste Angebot unterbreitet und den Zuschlag bekommen.

Technik des ICE L

Ein Zugverband besteht aus jeweils einer Mehrsystemlok und 17 Reisezugwagen inklusive Steuerwagen. Sie bieten insgesamt 562 Sitzplätze, davon 85 Sitzplätze der 1. Klasse und 477 Sitzplätze der 2. Klasse. Die Züge können mit einer Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h fahren.

Alle Züge sind flexibel einsetzbar. Die Reisezugwagen können neben der Talgo-Lok auch mit anderen Loktypen gekuppelt werden. So ist für nicht-elektrifizierte Strecken der Einsatz von sogenannten Zweikraftloks vorgesehen, die auch über einen Dieselmotor verfügen.

Bei dem ICE L hat sich die DB bewusst für eine bewährte Fahrzeugplattform entschieden, um eine höhere Zuverlässigkeit durch die Nutzung erprobter Komponenten zu erreichen.

Höhe:

Wagenzug 3,6 m bis 3,8 m und Lokomotive 4,2 m

Länge:

Wagenzug mit 17 Wagen 236 m, Lokomotive 19,7 m, insg. 256 m

Leergewicht:

406 t

Anzahl Achsen:

20 Radsätze im Wagenzug (17 Wagen) plus 4 Radsätze der Lokomotive

Ausstattung der Züge

An allen Türen stufenloser Einstieg am Standardbahnsteig mit 76 cm Höhe

Verschiedene Lichtszenarien im Tagesverlauf

Acht Fahrradstellplätze pro Zug

Infomonitore in Einstiegs- und Sitzbereichen mit Echtzeitdaten

WLAN und Onboard-Unterhaltung (ICE-Portal)

Restaurantwagen mit Sitzgruppen und Stehtischen

Abgetrenntes Kleinkindabteil und besonders großer Familienbereich mit insgesamt vier Stellplätzen für Kinderwagen

Plätze für drei Rollstuhlfahrer:innen mit elektrisch-höhenverstellbaren Tischen

Gepäckregale für Großgepäck in jedem Wagen


Der ICE L wird mit einem neu entwickelten Sitztyp in den Fahrgastbetrieb gehen. Für mehr Sitzkomfort wurden drei Sitze von verschiedenen Herstellern vorab mit 800 Proband:innen intensiv erprobt. Der dabei am besten beurteilte Sitz wurde im Anschluss grundlegend weiterentwickelt im Hinblick auf Ergonomie, Komfort, Kinematik, und Design. Dabei wurden die einzelnen Entwicklungsstufen von Ergonomie-Expert:innen begleitet und durch kontinuierliche Proband:innentests ergänzt.

Einsatz ab Oktober 2024

Die neuen Züge werden schrittweise ab Oktober 2024 auf der zweistündlichen Verbindung Berlin-Amsterdam in Betrieb gehen. Ab Juni 2025 werden dann alle Verbindungen auf dieser Linie mit dem ICE L gefahren. Daneben werden die ICE L auch auf den touristischen Verbindungen nach Sylt und Oberstdorf verkehren. Hier ist ein Einsatz im Jahr 2026 geplant.

Der ICE L wird alte Intercity-1-Züge ersetzen.

Stufenloser Ein- und Ausstieg für mehr Barrierefreiheit

Die DB ist überzeugt: Wer mehr Menschen für die klimafreundliche Schiene begeistern will, muss eine Reise mit der Bahn noch komfortabler und inklusiver gestalten. Das gelingt mit dem neuen ICE L: Denn das „L“ steht für „Low Floor“, dem englischen Begriff für „Niederflur“. Durch seinen stufenlosen Zugang an den Standardbahnsteigen im Fernverkehr (76 cm Höhe) erleichtert der ICE L jedem Fahrgast an allen Türen den Ein- und Ausstieg – ob mit Mobilitätseinschränkung, großem Koffer, Kinderwagen, Fahrrad oder Rollator. Zudem können Reisende im Rollstuhl erstmals ohne fremde Hilfe in einen ICE ein- und aussteigen. Damit setzt der ICE L neue Maßstäbe. Im Zug selbst befinden sich für Rollstuhlfahrer:innen drei Plätze inklusive elektrisch-höhenverstellbarer Tische. Weitere ICE-Komfortmerkmale sind ein Leitsystem mit taktilen Piktogrammen und Brailleschrift für Seheingeschränkte und eine bessere Orientierung im gesamten Zug. Der ICE L ist damit ein bedeutender Meilenstein in Richtung noch mehr Barrierefreiheit bei der DB.

Bildergalerie: Der ICE L

Wo ICE draufsteht, ist ICE-Komfort drin

Komfort hat für die DB oberste Priorität. Daher wurde ein komplett neues Innenraumdesign für die ICE entwickelt. Im ICE L ist es ab 2024 ab dem ersten Zug erlebbar. Mit den neuen Materialien und Farben, wie etwa den Sitzbezügen aus hochwertigem Flachgewebe (Stoff ohne Flor) und 85 Prozent Wollanteil bietet die DB eine hohe haptische Qualität der Sitzflächen, sowohl in der 1. als auch in der 2. Klasse. Ein großzügiger Holzeinsatz etwa an den Tischen und den Wandverkleidungen, die tageszeitabhängige Innenraumbeleuchtung und die neu-entwickelten Sitze machen den ICE L noch wohnlicher und komfortabler.

In dieser angenehmen Wohnzimmeratmosphäre steht den Kund:innen natürlich auch ein Restaurantwagen mit Sitzgruppen und einem Stehbereich zur Verfügung. Außerdem verfügt der ICE L über einen besonders großzügigen Kleinkind- und Familienbereich mit altersgerechten Wandmotiven und vier Kinderwagenstellplätzen. In jedem Wagen gibt es zudem Gepäckregale sowie acht Fahrradstellplätze pro Zug. Informationsmonitore in den Einstiegs- und Sitzbereichen bieten Reisendeninformation mit Echtzeitdaten. Egal, ob Arbeiten im Zug oder gemütliche Fahrt in die Ferien: Die mobilfunkdurchlässigen Scheiben und das leistungsfähigere WLAN sorgen im ICE L für stabilen Empfang beim Telefonieren und Surfen.

Effizienter und langlebiger für mehr Nachhaltigkeit

Bei der DB wird Nachhaltigkeit bis ins Detail gelebt: Ein Beispiel ist das zeitlose Design bei der Innenraumgestaltung des ICE L. Kombiniert mit modernen Materialien schafft die DB so einen langlebigen Innenraum. Das kommt der Nachhaltigkeit des Zuges insgesamt zugute. Noch energieeffizienter ist der ICE L dank Wagenkästen in Leichtbauweise und der aerodynamisch optimierten Fahrzeugaußenform. Zusätzliches Gewicht und damit Energie wird durch die verbauten Einzelrad-Fahrwerke gespart. Wer nicht nur umweltbewusst reisen, sondern auch großen Wert auf eine ressourcenschonende Technik und Ausstattung legt, ist bei der DB gut aufgehoben. So wird Bahnfahren zu aktivem Klimaschutz.


Der spanische Hersteller Talgo

Talgo wurde 1942 in Madrid gegründet. Das Unternehmen baut seither Züge und hält sie auch instand. Heute hat Talgo mehr als 2.000 Mitarbeitende. Seit 1994 ist Talgo mit rund 100 Mitarbeitenden auch in Deutschland vertreten. Das Werk in Berlin bietet umfangreiche Instandhaltungsservices an, die unter anderem auch die DB nutzt. Talgo ist insgesamt in 40 Ländern vertreten.