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Flüsterbremsen machen Züge leiser

Die Reduzierung des Lärms unmittelbar an der Quelle wirkt auf dem gesamten Streckennetz. Der Einsatz leiser Bremstechnologien im Schienengüterverkehr ist deshalb die wichtigste Maßnahme zur Bekämpfung des Lärms im Schienenverkehr.

Die größte Lärmquelle ist das Rollgeräusch von Güterzügen, das vor allem durch Bremsklötze aus Grauguss verursacht wird. Beim Bremsvorgang rauen diese die Räder auf – und raue Räder verursachen laute Rollgeräusche während der Fahrt. Fahren die Züge dagegen mit Bremsen aus Verbundstoff, wird das Rollgeräusch von Güterzügen in der Vorbeifahrt um bis zu 10 dB (A) reduziert, das entspricht einer gefühlten Halbierung des Lärms.

Leise Bremstechnologien im Schienengüterverkehr sind deshalb die wichtigste Maßnahme zur Minderung der Lärmemissionen. Ihr großer Vorteil liegt darin, dass sie ihre Wirkung im gesamten Streckennetz entfalten. 


DB Cargo wird bis Ende 2020 in Deutschland nur noch leise Wagen einsetzen – Ende 2017 waren bereits rund zwei Drittel der Güterwagen leise.

Die Bestandsgüterwagen der DB Cargo werden bis zum Jahr 2020 auf die LL-Verbundstoffbremssohle umgerüstet sein, neue Wagen werden bereits seit 2001 mit leisen Bremssohlen beschafft. Die DB geht davon aus, dass die übrigen Wagenhalter diesem Beispiel folgen werden.

Umrüstung Stand Ende 2017

Ende 2017 fuhren rund 40.000 Güterwagen der Deutschen Bahn leise durch Deutschland. Damit rollen mittlerweile knapp zwei Drittel der Güterwagenflotte der DB Cargo auf leisen Sohlen. Bis zum Ende des Jahres 2018 hat sich die DB vorgenommen, insgesamt rund 50.000 leise Güterwagen zu haben.


Gemeinsamer Kraftakt

Subjektiv wahrgenommen wird sich die volle Wirkung der Lärmminderung erst entfalten, wenn alle in Deutschland verkehrenden Güterwagen mit der leisen Bremstechnologie ausgestattet sind. Denn solange im Zugverband noch nennenswert Güterwagen mit Graugussbremsen fahren, bleibt das Rollgeräusch deutlich hörbar.

Neben den Wagen von DB Cargo verkehren auch die Wagen anderer deutscher und ausländischer Wagenhalter und EVU auf dem deutschen Streckennetz. Daher bedarf es einer gemeinsamen Kraftanstrengung aller Beteiligten – der EU, des Bundes, der Wagenhalter und der Eisenbahnverkehrsunternehmen auf nationaler und europäischer Ebene -, um die Lärmbelastung spürbar zu reduzieren.


Schienenlärmschutzgesetz

Die Bundesregierung hat daher das Schienenlärmschutzgesetz beschlossen, dass den lauten Güterverkehr auf dem deutschen Streckenenetz ab dem Fahrplanwechsel 2020/21 ausdrücklich verbietet.


Förderung der Umrüstung seitens BMVI und EU

Die Umrüstung der Bestandsgüterwagen wird durch verschiedene Finanzierungsinstrumente seitens des BMVI und der EU unterstützt, über das lärmabhängige Trassenpreissystem der DB Netz AG wird zusätzlich auf den Einsatz leiser Wagen hingewirkt.   

CEF-Förderung

Die finanzielle Beteiligung bei der Umrüstung von Bestandsgüterwagen mit LL-Sohlen zu Lärmschutzzwecken erfolgt seit 2012 durch das BMVI und seit 2014 durch das neue EU-Finanzierungsinstrument "Connecting-Europe-Facility" (CEF). DB Cargo hat hierbei für den Zeitraum 2014 bis 2019 von der EU eine Zusage für eine Kofinazierung für die LL-Umrüstung von Bestandsgüterwagen erhalten.

Höhere Betriebskosten werden nicht gefördert

Im Vergleich zur Grauguss-Sohle fallen bei der LL-Sohle deutliche Mehrkosten im täglichen Betrieb an, zum Beispiel durch vermehrte Inspektionen, häufigeres Radabdrehen, höheren Radverschleiß und deutlich teurere Sohlen in der Ersatzbeschaffung. Diese Kosten sind nicht Gegenstand der Förderung und müssen von den Wagenhaltern bzw. EVU allein getragen werden. Dies wirkt sich natürlich eher verzögernd auf eine zügige Umrüstung der Wagen aus.

Mit Flüsterbremsen fahrende Güterwagen verursachen nur halb so viel Lärm wie herkömmliche Güterwagen, die noch mit den alten Graugussbremsen fahren. Denn mit Flüsterbremsen bleiben die Laufflächen der Räder glatt, die Wagen rollen somit leiser.

Die so genannte leise K-Sohle wurde bereits 2001 für den lärmmindernden Einsatz zertifiziert und freigegeben. Bei Neuwagen ist sie ohne Mehraufwand einbaubar. Bei Bestandswagen müsste dafür aber die gesamte Bremsanlage des Fahrzeugs umgebaut und je nach Wagenbauart neu zugelassen werden. Die Umrüstung auf die K-Sohle ist somit aufwendig und teuer, sie kostet zwischen 5.000 und 7.000 Euro pro Wagen.

Wesentlich geringere Kosten entstehen bei der Umrüstung auf die seit Juni 2013 zugelassene LL-Sohle (LL steht für „low noise, low friction“ – wenig Lärm, wenig Abrieb). Denn die Grauguss-Sohlen können in der Regel ohne Umbau der Bremsanlage 1:1 gegen die neue Verbundstoffbremssohle ausgetauscht werden. Die Kosten liegen mit rund 1.700 Euro pro Wagen um rund zwei Drittel niedriger als der Einsatz der K-Sohle.